Dieser Beitrag zeigt, wann eine Betriebsprüfung droht, worauf das Finanzamt besonders achtet und wie sich Unternehmen richtig vorbereiten.
Warum Unternehmer das Thema nicht unterschätzen sollten!
Für viele Unternehmer ist sie ein unangenehmes Thema: die Betriebsprüfung durch das Finanzamt. Oft wird sie als Misstrauensbeweis empfunden – dabei ist sie zunächst ein ganz normaler Bestandteil des deutschen Steuersystems. Fakt ist jedoch: Betriebsprüfungen werden immer häufiger, digitaler und detaillierter. Wer unvorbereitet ist, riskiert Steuernachzahlungen, Zuschätzungen oder langwierige Auseinandersetzungen mit der Finanzverwaltung.
Was ist eine Betriebsprüfung – und wen betrifft sie?
Eine Betriebsprüfung (offiziell: Außenprüfung) dient dazu, die steuerlichen Angaben eines Unternehmens zu überprüfen. Betroffen sind nicht nur große Konzerne – auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Freiberufler und Selbstständige werden regelmäßig geprüft.
Die Auswahl erfolgt unter anderem nach:
-Unternehmensgröße und Branche
-Auffälligkeiten in Steuererklärungen
-starken Gewinnschwankungen
-Vorjahresergebnissen
-Zufallsprinzip
Wichtig: Eine Betriebsprüfung bedeutet nicht automatisch, dass das Finanzamt einen Fehler vermutet. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass nur wenige Prüfungen ohne Mehrergebnis enden.
Typische Prüffelder: Wo das Finanzamt genau hinschaut:
Die Finanzverwaltung arbeitet zunehmend datengetrieben. Besonders im Fokus stehen heute:
1. Buchführung & GoBD-Konformität
Digitale Buchführung muss vollständig, nachvollziehbar und unveränderbar sein. Mängel in der Verfahrensdokumentation oder fehlende Belege führen schnell zu Beanstandungen.
2. Kassenführung
Vor allem bargeldintensive Betriebe (Gastronomie, Einzelhandel, Handwerk) geraten ins Visier. Formale Fehler können hier zu Schätzungen führen – selbst wenn keine Steuerhinterziehung vorliegt.
3. Umsatzsteuer
Fehler beim Vorsteuerabzug, Reverse-Charge-Verfahren oder innergemeinschaftlichen Leistungen gehören zu den häufigsten Prüfungsfeststellungen.
4. Private und betriebliche Nutzung
Firmenwagen, Telefon, Homeoffice oder Bewirtungskosten werden besonders kritisch geprüft.
5. Verträge mit nahestehenden Personen
Geschäftsführer, Gesellschafter oder Angehörige stehen im Fokus – insbesondere bei Gehalt, Darlehen oder Mietverhältnissen.
Mitwirkungspflichten: Was Unternehmer leisten müssen
Während einer Betriebsprüfung bestehen umfangreiche Mitwirkungs- und Auskunftspflichten. Dazu gehören:
-Bereitstellung aller angeforderten Unterlagen
-Zugriff auf digitale Buchhaltungsdaten (z. B. GDPdU-Daten)
-Erläuterungen zu Geschäftsvorfällen
-Unterstützung bei der Datenanalyse
Wichtig: Die Verantwortung für die Ordnungsmäßigkeit der Unterlagen liegt immer beim Unternehmer, nicht beim Steuerberater oder Buchhaltungsdienstleister.
Das Risiko der Schätzung (§ 162 AO)
Kann das Finanzamt die Besteuerungsgrundlagen nicht ordnungsgemäß ermitteln, darf es diese schätzen. Das passiert häufig bei:
-fehlenden Belegen
-formalen Mängeln in der Buchführung
-nicht nachvollziehbaren Daten
In der Praxis fallen Schätzungen regelmäßig zu Ungunsten des Unternehmens aus. Zwar müssen sie realitätsnah sein, doch ohne belastbare Gegenargumente hat der Steuerpflichtige oft schlechte Karten.
Gute Vorbereitung: Der entscheidende Erfolgsfaktor
Eine erfolgreiche Betriebsprüfung beginnt lange vor dem Prüfungsbescheid. Unternehmer sollten regelmäßig prüfen:
-Ist die Buchführung vollständig und aktuell?
-Existiert eine GoBD-konforme Verfahrensdokumentation?
-Sind private und betriebliche Ausgaben sauber getrennt?
-Sind Verträge schriftlich und fremdüblich gestaltet?
Kommt es zur Prüfung, gilt:
-Ruhe bewahren
-Kommunikation bündeln (idealerweise über den Steuerberater)
-Keine vorschnellen Erklärungen abgeben
-Unterlagen strukturiert und vollständig bereitstellen
Fazit: Betriebsprüfungen sind beherrschbar
Betriebsprüfungen gehören zum unternehmerischen Alltag. Sie sind kein Grund zur Panik – aber ein klarer Weckruf für saubere Prozesse und transparente Dokumentation. Unternehmen, die ihre steuerlichen Pflichten ernst nehmen und strukturiert arbeiten, reduzieren nicht nur Risiken, sondern gewinnen auch Sicherheit im Umgang mit dem Finanzamt.
Gut vorbereitet zu sein ist keine Option – sondern ein Wettbewerbsvorteil.
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