Studie zeigt Unterschiede bei Konsequenz und Engagement
Vier Typen veganer Lebensweise: Studie zeigt Unterschiede bei Konsequenz und Engagement
Wer vegan lebt, ist nicht einfach „vegan“. Das ist das Ergebnis der bisher umfangreichsten Untersuchung (https://www.vegan.eu/vier-vegane-gruppen-im-dach-raum/) im deutschsprachigen Raum mit vegan lebenden Personen. Die Befragung von 2.161 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz identifiziert vier klar unterscheidbare Gruppen. Die große Mehrheit lebt dabei insgesamt hoch konsequent vegan. Gleichzeitig unterscheiden sich die Gruppen darin, wie stark sie vegane Prinzipien auf weitere Lebensbereiche ausweiten und wie ausgeprägt ihr Engagement für die vegane Lebensweise ist – sowohl im privaten Umfeld als auch politisch-aktivistisch.
Methodik: Durchgeführt wurde die Online-Befragung von Psychologe Guido F. Gebauer (https://www.gfgebauer.de//) für das Webportal vegan.eu. Die Einteilung in vier Gruppen erfolgte mittels statistischer Clusteranalyse. Die Stichprobe umfasst 1.417 Frauen, 639 Männer sowie 105 nicht-binäre Personen im Alter von 18 bis 84 Jahren. Die Gruppen unterscheiden sich nicht nach Alter, Geschlecht, Bildung oder Wohnsitzland – die Befunde sind für den gesamten deutschsprachigen Raum generalisierbar.
Die vier Gruppen im Detail
1. Einsatzorientierte Veganer (50,8 % der Befragten)
Die größte Gruppe lebt konsequent vegan, vermeidet tierische Stoffe nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Materialien wie Leder oder Wolle, lehnt vergnügungsorientierte Tierhaltung (Zoo, Haustierhaltung) ab und engagiert sich aktiv für Tierrechte. Viele versuchen zudem, andere Menschen vom Veganismus zu überzeugen, und setzen sich für die Rettung einzelner Tiere ein. Veganismus wird besonders häufig aus tierrechtlichen Gründen praktiziert und als wichtiger Teil der eigenen Identität erlebt. Die Mitglieder dieser Gruppe wünschen sich häufiger als andere Veganer ebenfalls vegan lebende Partner und haben auch tatsächlich häufiger vegane Partner. Das Konzept der Vegansexualität – eine sexuelle oder romantische Präferenz für ebenfalls vegan lebende Personen – ist in dieser Gruppe am stärksten ausgeprägt.
2. Lebensstil-Veganer (33,0 %)
Diese zweitgrößte Gruppe lebt ebenfalls konsequent vegan, bezieht viele weitere Konsumbereiche ein (Materialien, Zusatzstoffe) und lehnt vergnügungsorientierte Tierhaltung überwiegend ab. Der Hauptunterschied zu den einsatzorientierten Veganern besteht darin, dass sich Lebensstil-Veganer zwar häufig im Freundes- und Bekanntenkreis für Veganismus einsetzen, jedoch kaum politisch-aktivistisch engagieren. Veganismus bildet auch für sie einen wichtigen Teil einer überwiegend tierethisch motivierten Identität, durchdringt aber das soziale Leben weniger stark.
3. Pragmatische Veganer (13,1 %)
Diese Gruppe achtet konsequent auf den Verzicht von Fleisch, Milch, Fisch und Eiern, ist bei anderen Produktbereichen wie Leder, Wolle oder Zusatzstoffen jedoch weniger streng. Vergnügungsorientierte Tierhaltung wird weniger kritisch hinterfragt. Die subjektive Wichtigkeit der veganen Lebensweise, tierethische Motive, der Wunsch nach veganen Partnern sowie die Ausprägung von Vegansexualität sind schwächer als bei den beiden großen Gruppen. Veganismus wird hier stärker als Ernährungsweise verstanden denn als umfassende Lebensform.
4. Vegane Grenzgänger (3,1 %)
Diese sehr kleine Gruppe ähnelt den pragmatischen Veganern, achtet jedoch zusätzlich auch bei Fleisch, Fisch, Milch und Eiern nicht jederzeit strikt auf die vegane Lebensweise. Sie achten seltener auf versteckte Tierprodukte oder nicht-vegane Materialien. Auch vergnügungsorientierte Tierhaltung wird weniger kritisch reflektiert. Tierethische Motivation, subjektive Wichtigkeit des Veganismus sowie der Wunsch nach veganen Partnern sind auch hier deutlich schwächer ausgeprägt als bei den einsatzorientierten Veganern.
Überraschender Befund: Engagement trotz geringerer Konsequenz
Die Studie zeigt ein bemerkenswertes Muster: Pragmatische Veganer und vegane Grenzgänger weisen trotz ihrer geringeren Konsequenz im Alltag teilweise ein höheres politisch-gesellschaftliches Engagement für Veganismus und Tierrechte auf als die Lebensstil-Veganer, die ihren Veganismus überwiegend privat leben. Dieses Phänomen ist auch aus anderen gesellschaftlichen Bewegungen bekannt – etwa in der Klimabewegung, wo sich Menschen mit hohem Engagement gelegentlich Widersprüche in der eigenen Lebensführung vorhalten lassen müssen.
Für die einsatzorientierten Veganer gilt dies jedoch nicht: Sie verbinden die höchste persönliche Konsequenz mit dem stärksten gesellschaftlichen Engagement.
Vollständige Auswertung
Die komplette Auswertung mit umfangreichem Zahlenmaterial sowie weitere Befunde zu politischen Einstellungen, Motiven und dem Konzept der Vegansexualität sind auf vegan.eu (https://www.vegan.eu/) veröffentlicht.
Dr. Gebauer steht jederzeit für Nachfragen und Interviews in klassischen Medien (Print, TV, Radio) sowie auf YouTube, in Blogs und sozialen Medien zur Verfügung.
Vegan.eu ist ein seit 2012 bestehendes veganes Informationsportal, welches von der ökologisch-alternativen Kennenlernplattform Gleichklang.de betrieben wird. Das Portal ist auf umfassende Umfragen und Auswertungen innerhalb der veganen Community spezialisiert. Hierzu werden auf verschiedenen Rekrutierungswegen größere Stichproben herangezogen und die Ergebnisse werden jeweils mit vorliegenden internationalen Studien verglichen sowie im Hinblick auf Alter, Geschlecht/Gender, Bildungsstand, Wohnsitzland und Rekrutierungswege kontrolliert.
Kontakt
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Guido F. Gebauer
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